In der Diskussion um natürliche Alternativen bei Bluthochdruck, Arteriosklerose und Herzinfarktnachsorge taucht ein Name immer wieder auf: Nattokinase. Ein Enzym, gewonnen aus fermentierten Sojabohnen, das in zahlreichen Beiträgen als Hoffnungsträger gegen Ablagerungen und Durchblutungsstörungen gefeiert wird. Doch was kann Nattokinase wirklich – und wo ist Vorsicht geboten?
Was ist Nattokinase?
Nattokinase ist ein fibrinolytisches Enzym, das aus der japanischen Spezialität Natto stammt. Es wirkt blutverdünnend und wird in Nahrungsergänzungsmitteln zur Vorbeugung von Thrombosen und zur Verbesserung der Durchblutung eingesetzt.
Was sagen Studien?
Mehrere Studien zeigen, dass Nattokinase potenziell:
- LDL-Cholesterin senken kann
- Arteriosklerotische Veränderungen beeinflusst
- Fibrinablagerungen abbaut (Blutgerinnungskomplexe)
- und möglicherweise bei Bluthochdruck unterstützend wirkt
Eine randomisierte Studie mit 1.062 Teilnehmenden zeigt vielversprechende Ergebnisse – doch es braucht weitere, gut kontrollierte Langzeitstudien, um die Wirksamkeit klar zu belegen.
Vorsicht bei Kombination mit Medikamenten
Ein besonders heikler Punkt: Wechselwirkungen.
Viele Patient:innen nehmen bereits Blutverdünner (z. B. ASS, Eliquis, Xarelto). Hier kann Nattokinase zu einer ungewollten Verstärkung der Wirkung führen – was das Blutungsrisiko massiv erhöht.
Deshalb gilt:
❗ Niemals Nattokinase in Eigenregie einnehmen, wenn bereits gerinnungshemmende Medikamente eingenommen werden.
Der Arzt und Moderator der Facebook-Gruppe „Herzinfarkt – nie wieder!“ bewertet viele der aktuell zirkulierenden Artikel zu Nattokinase kritisch:
„Viele Texte sind schlecht aus KI zusammenkopiert, enthalten Standardphrasen und fachliche Fehler. Wer wirklich etwas verändern will, sollte präzise Fragen stellen – oder fundierte Beratung suchen.“
Finn spricht sich insbesondere gegen roten Reis (Monacolin K) aus, weil es sich dabei um ein Statin handelt, das unter anderem mit bekannten Nebenwirkungen verbunden ist – trotz natürlichem Ursprung.
- Diagnose klären: Vor dem Griff zu Nahrungsergänzungsmitteln solltest du deine Werte und Befunde genau kennen.
- Individuell beraten lassen: Funktionelle Medizin und erfahrene Ärzt:innen mit Kenntnissen in Orthomolekularmedizin können hier helfen.
- Schritt für Schritt denken: Nicht alles auf einmal verändern. Erst beobachten, dann anpassen.
- Weniger Angst – mehr Wissen: Wer informiert handelt, muss keine Risiken eingehen.
Nattokinase ist ein spannender Stoff – aber kein Wundermittel. Die Wirkung ist abhängig von der individuellen Situation und sollte niemals isoliert oder unbegleitet betrachtet werden.
Wissen schützt. Eigenverantwortung heilt.
Als ergänzenden Einstieg in das Thema empfehlen wir unsere Broschüre „Schöne Beine“ von Fak-Fakten. Sie war unser erster Leitfaden – bewusst gewählt, weil gesunde Durchblutung das Fundament für jedes funktionierende Herz-Kreislauf-System ist. Dort findest du leicht verständlich erklärt, wie man mit simplen Mitteln wie Bewegung, Atmung und Ernährung den Kreislauf unterstützt und das Gefäßsystem schützt – ganz ohne Nebenwirkungen. Und keine Sorge: Du musst kein Sportfreak werden, um davon zu profitieren. Schon kleine, regelmäßige Bewegungen und bewusste Atempausen machen einen spürbaren Unterschied – und genau das zeigen wir Schritt für Schritt in der Broschüre.
(Dieser Artikel ist kein Ersatz für ärztliche Beratung. Er dient der Aufklärung und soll Gespräche zwischen Patient:innen und Ärzt:innen anregen.)






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